2026-03-29
Wir rufen in immer kürzeren Zyklen voller Enthusiasmus Revolutionen aus. Revolution klingt gut. Nach Aufbruch, nach Hoffnung, nach Leidenschaft. Die einen denken von technisch motivierten Revolutionen, die anderen von sozialen, und natürlich noch die politischen.
Dabei vergessen wir leicht, wie schmerzhaft Revolutionen sind. Sie zerschlagen die gegebene Ordnung und ersetzen sie mit irgendetwas, was zumeist mehr eine Idee ist, wenn überhaupt. Das Prinzip der Revolution ist in den meisten Fällen zunächst die Zerstörung mit dem Drang, Platz für Neues zu schaffen. Doch bei den vielen Effekten, die das Zerstören auslöst, ist es nahezu unmöglich, das „danach“ vorherzusagen. Welche Strukturen entstehen, welche Stimmung entsteht, wer fühlt sich als Sieger, wer als Verlierer, das alles zudem in einem dynamischen Prozess, in dem sich alles immer wieder schnell ändert.
Das Management von Revolutionen ist eine wenig geübte Kunst, allein schon, weil die meisten Revolutionäre es nicht überleben. Und diejenigen, die es überleben, sind irgendwann nur noch damit beschäftigt, entweder ihre Macht zu verteidigen oder an den Folgeeffekten zu zerbrechen.
Das schwierigste bei Revolutionen ist ihr Ende. Wann ist es Zeit, aufzuhören, Frieden zu schließen und mit dem Erreichten verantwortungsvoll umzugehen. Gerade weil dann ja die Revolutionäre immer noch da sind und versuchen, wichtig zu bleiben. Sie verdienen am Fortbestand der Revolution, sie ist ihr Geschäftsmodell. Das Feindbild zu verlieren, ist für viele ein dramatischer Verlust und auf einmal für etwas zu kämpfen und nicht mehr gegen etwas ist eine ganz andere Art von Verantwortlichkeit.
Leitsatz für Revolutionäre sollte sein: nicht zu viele auf einmal, weil das niemand aushält, und aufhören, wenn’s am schönsten ist.
Admin - 13:02:01
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