Das Kulturtier

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Wenn ich für etwas Experte bin, dann für innovative Wertschöpfung

wobei 'innovativ' und 'Wert' oft nicht einhergehen. Ich befasse mich berufsmäßig mit dem Unbekannten und wie daraus etwas Wertvolles werden kann, oder eben auch nicht. Da mischen sich oft Idee, Wunsch, Hoffnung und die eigene Wahrnehmung und am Ende gewinnt immer die Evolution: es kommt anders als erwartet. Die Gegenteilstheorie beschreibt das grundsätzlich, der Innovationsblog im speziellen.

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20. Oktober 2020, 21:47

Emotional Selling

Es war meines Wissens nach Daniel Kahnemann der mit „Thinking Fast and Slow“ die Erkenntnis unter die Leute gebracht hat, dass der Mensch Entscheidungen nicht nach einer ökonomischen Vernunft sondern vielmehr emotional fällt. Er hat damit die Ökonomie entthront und stattdessen die Psychologie, bis dahin eine verdächtige Wissenschaft der menschlichen Untiefen, an den vordersten Rang der Weltbühne geschoben. Seitdem werden wir emotional bedient. Zunächst nach bestem Wissen und Gewissen aber schon länger, dem Digitalen Fortschritt sei Dank, durch Künstliche Intelligenz berechnet und optimiert.
Und es ist unendlich anstrengend. Auf einmal müssen wir viel mehr in emotionale Abwehr investieren. Wir werden bombardiert mit emotionalem Overkill, jedes noch so banale Erlebnis ist ‚exciting‘ und jede Begegnung mit Menschen, die ein kommerzielles Interesse haben, ein Akt extremer Verblendung. Wer Immobilienanzeigen liest erstickt schon lange in schmückenden Adjektiven, inzwischen ziehen sie in die Moderation von Ereignissen ein und, der Sünde höchste Form, auch in die Presse. Es nervt. Wenn du nicht mehr glauben kannst, was du erfährst, weil du erst einmal all die Deko von der Botschaft abkratzen musst um herauszufinden, was sich dahinter verbirgt. Es ist eine Entwürdigung der Kommunikation, weil Sender und Empfänger sich dabei entfremden und das Vertrauen, das dringend dazugehört, Stück für Stück zerfällt.
Emotional Selling ist eine schlechte Idee. Zumindest in der Überdosis. Die klassische Verführung, ein uraltes Mittel der Kommunikation, gerade in heiklen Angelegenheiten, hat sich aber immer der gleichen Mittel bedient. Sie war sich aber stets bewusst, dass der Flirt etwas besonderes ist. Die Grenze zu erkennen, wann ich mir den Flirt erlauben kann und wann ich ‚gemein‘ werde. Das ist Kultur. Dazu braucht es keine Innovation.

Redakteur

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13. Oktober 2020, 20:53

Überfunktion

Heute muss ich mal wieder mosern. Meine Virtual Conference Software hat sich wieder mal selbst aktualisiert und weiß nun noch besser, was ich will. Etwa mit Mousover und vorausschauendem Handeln. Ich erläutere oft Bilder und nutze dazu die Maus als Zeiger. Wenn ich nun mit der Maus aus Versehen etwas zu weit gehe, in die Nähe irgendeines Kommandofeldes, macht das System sofort willfährig irgendetwas völlig Irres. Schaltet mich stumm, ändert den Anzeigemodus, tauscht Fenster aus – was man halt alles so können kann, wenn man will. Ich fürchte schon Gesichtserkennung, Gestenerkennung und so, das wird ein Chaos.
Das Problem: Die Entwickler können einfach nicht aufhören, wenn etwas mal gut ist. Immer muss etwas hinterher und das ist meistens nur aus einem sehr reduzierten Horizont heraus gedacht, vermutlich einer Studie mit Erkenntnissen wie: ‚Wenn Nutzer eine Applikation verlassen wollen wischen sie vorher meistens mit der Maus rum und suchen den Exit Knopf‘ - also schließen wir Applikationen, wenn Nutzer mit der Maus herumwischen. Nett gedacht, stolz vorgeführt als Fortschritt - aber in eine völlig unsinnige Richtung,
Das ist aber ein echtes Grundsatzproblem unserer HighTech Hype Zeit. Um als Anbieter immer weiter zu wachsen, noch wertvoller zu werden, noch wichtiger, braucht es dauernd Nachschub – auch wenn längst keiner mehr etwas braucht. Fällt der mal aus, bricht die Aktie ein und aus ist es mit dem Guru Status an der Börse und an den Bühnen der Welt.
So zerstört sich der Fortschritt selbst. Die Revolution frisst ihre Kinder, die Götter begeben sich in immer irrere Schlachten, bis sie eines Tages doch entthront werden.
Offenbar sind wir so. Aber ohne Zerstörung keine Erneuerung, und Erneuerung, das finden wir am allertollsten.

Redakteur

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05. Oktober 2020, 21:33

Gödel

Heute Morgen beim Zähneputzen überkam mich die Erkenntnis, dass Kurt Gödels Unvollständigkeitssatz ja eigentlich ein Gottesbeweis ist. Für Nicht-Mathematiker: Kurt Gödel ist der (meiner Ansicht nach) wichtigste Mathematiker aller Zeiten, der bewiesen hat, dass in keinem widerspruchsfreien System jede Aussage bewiesen werden kann. Ich habe dann recherchiert und entdeckt dass Gödel da selbst auch schon draufgekommen ist, es aber verschwiegen hatte, da er die gesellschaftlichen Konsequenzen fürchtete.
Mich hat es aus einem anderen Grund bewegt. Es geht um die Vernunft und unsere derzeitige Sehnsucht danach, die Welt nach deren Kriterien richtig zu behandeln. Und um die Erfahrung, dass das nicht klappt, was wir derzeit an den vielen Ausbrechern sehen, die sich die tollsten Theorien aus der Welt der Unvernunft ausdenken. In einem haben sie nämlich nach dem Satz von Gödel recht: Es muss etwas geben, dass sich der Vernunft entzieht, aber notwendig ist, damit das alles, unsere ganze Idee von der Welt, irgendwie zusammenhält. Was das ist, ist unerklärlich, es kann beliebig klein oder beliebig groß sein, wir wissen es nicht und daher gibt es viele Meinungen darüber.
Und das ist gut so. Damit müssen wir leben und uns immer wieder streiten. Unsere Ahnen haben Götter daraus gemacht, an sich keine schlechte Idee, solange die nicht zu mächtig werden.

Redakteur

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27. September 2020, 21:45

Krimis

Eines der uninnovativsten Formate ist der Krimi. Gerade in Zeiten der Veränderung und der Unsicherheit ist er eine Bremse. Grund ist das Format, das immer Gute und Böse braucht, Opfer und Täter. Das ist in Zeiten des Suchens, des neu Auslotens von Richtig und Falsch fatal. Es wird zwar immer wieder versucht, diese schlichten Muster zu durchbrechen, Ambivalenzen zu zeigen, aber die Botschaft am Schluss ist doch immer die gleiche: Füge Dich der Ordnung. Der Krimi ist ein Wohlfühlformat, das Gruseln erlaubt im sicheren Gefühl, es kommt einer und rettet das Ganze. Nicht umsonst sind Krimis derzeit das beliebteste Fernsehformat, einfach, zuverlässig und beliebig austauschbar: England, Schweden, Südafrika, Bad Tölz, Nordseeküste, Spreewald, der Hintergrund ist beliebig und wird zur Touristikwerbung benutzt.
Krimis sind mediale Wegwerfprodukte. Innovation geht anders.

Redakteur

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23. September 2020, 22:25

Touchfeld Herdplatten

Eine der missglücktesten Innovationen, die es dennoch in den Alltag geschafft haben. Einher mit der Trennung von Herdplatte und Backofen kam das Touchfeld auf die Herdplatte. Damit konnten die Schalter an der Front wegfallen und dort eine Schublade einziehen. Ein Gewinn an Platz und Funktionalität, so die Aussage.
Aber es funktioniert nicht. Und ich besitze ein Modell eines angesehenen deutschen Herstellers!
Wenn das Feld überhaupt reagiert, was selten der Fall ist, geht es umständlich und langsam. Für alle die noch nie gekocht haben - und dazu zählen offenbar die Schöpfer des Touchfeldes: es geht hier um Hitze und auch um Geschwindigkeit. Wenn etwas überkocht, wenn etwas anbrennt, wenn vieles zugleich passiert, dann muss es zuverlässig und schnell gehen. Und genau dies Beides kann das Touchfeld nicht.
Es ist überhaupt erstaunlich, dass in einer Zeit, in der Sicherheit als höchstes Gut gilt, ein Kochfeld verkauft werden darf, das man nicht zuverlässig ausschalten kann. Hier haben sich allerlei Kräfte des Innovationshungers vereint und etwas gründlich verkorkst.
In den Internet Usergruppen ist von sensorischen Schwankungen die Rede, die einen Toleranzbereich hätten. Das ist so, als ob halt nur manche Bremsen bei Autos funktionierten. Und es gibt als einzigen funktionierenden Ausweg den Tipp, beim Touch anstelle der Finger Korken zu benutzen. Die stark improvisierte Erlösung aus dem Drama. Es lebe der Wein! Und zwar der mit Korken! Wer keinen Alkohol mag – dem kann nicht geholfen werden.

Redakteur

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20. September 2020, 23:09

Entscheidungen

Wer ist Cooler: Macher oder Entscheider? Evolutionär gesehen ist das ein wichtiger Unterschied. Macher machen, sie fragen nicht lange, sie schaffen Wirklichkeit indem sie etwas tun. Das ist die Löwin, die die Beute fängt, der Bauer, der das Feld pflügt, die Chefin, die ihre Leute motiviert. Machen ist konkret, das Umsetzen des Willens und der Stärke. Machen ist nicht evolutionär, nicht innovativ sondern einfach da. Machen ist das Manifestieren des Gegebenen.
Anders ist es mit dem Entscheiden. Hier steht die Welt still zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten, keine hat die natürliche Vorherrschaft des Machens, deshalb harren sie einer Entscheidung.
Allerdings: die Welt würde weiter existieren, auch ohne Entscheidungen. Entscheidungen verändern sie daher gar nicht, könnte man sagen, Entscheidungen passieren einfach. Bleibt die Frage: Existieren Entscheidungen eigentlich?
Das ist wie mit dem freien Willen. Ich glaube, er existiert. Es gibt Momente mit mehreren Möglichkeiten und Entscheidungen, bewusste und unbewusste. Und sie bewirken viel. Sie lenken die Welt in eine Richtung mit der sich andere dann herumschlagen müssen.
Es ist die Frage, ob Entscheiden das Privileg des Menschen ist, ich glaube Nein. Ein Leittier im Rudel entscheidet genauso und ein Wurm bei Regen entscheidet ebenfalls, ob er sich eingräbt oder auftaucht. Wie er sich entscheidet, entscheidet oft über Leben und Tod und damit verändert die Entscheidung die Welt. Der eine Wurm überlebt, der andere nicht, und der eine vererbt seine Motive an seine Nachkommen, der andere nicht. Das Entscheiden beschleunigt die Evolution, das Machen sichert mehr den Status Quo.
Und der Mensch hat das Entscheiden perfektioniert, und noch mehr, das Schaffen von Möglichkeiten zur Entscheidung perfektioniert. Er entscheidet sich aber gar nicht gerne, er leidet darunter und fände es viel angenehmer, wenn das andere tun. Doch es ist nur das Entscheiden, dass ihn über andere erhebt. Das Machen, das können immer noch andere besser. Viren greifen an ohne nachzudenken, Mücken genauso und Ameisen und Ratten kennen keine Gnade im Umsetzen ihrer Konzepte.
Der Mensch wäre so gerne Macher. Und nicht innovativ. Aber er muss Entscheider sein, weil er nun mal nur das gut kann. Das ist sein Dilemma. Doch damit bleibt er innovativ.

Redakteur

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13. September 2020, 21:07

Kultur

Als Multi-Laie steht es mit vermutlich nicht zu, dem Begriff ´Kultur‘ zu definieren und doch tue ich es. Ich verstehe unter Kultur das Vereinen größerer Zusammenhänge unter einer Idee, die aus den einzelnen Beiträgen etwas größeres Ganzes macht. Einfach gesagt, wenn 1+1 mehr ist als Zwei. Das Kernelement dazu sind Ideen, die dem Zusammenhang Sinn geben. Das Ergebnis kann dann sehr vielfältig sein. Ein Bauernhof, eine Stadt, ein Rechtssystem, ein Plan um ein Bison zu jagen, eine Musik, ein Roman, der ja faktisch auch nichts anderes ist als eine Folge von Farbklecksen.
Es geht also um Ideen die etwas herbeiführen. Und Ideen verfremden natürlich immer das Objekt ihres Ursprungs, denn sie bringen es ja in eine ganz andere Geschichte ein. Kultur verfälscht, betrachtet, erzählt, verändert. Und Kultur ist nie richtig, sie ist da und sie ist vielfältig, sie verletzt immer das Faktische.
Der Fehler der (erweiterten) Linken im aktuellen Kulturkampf ist die Entkultivierung, die sich in wachsenden Kreisen breitgemacht hat. Nicht mehr zuzulassen, dass Schauspieler Rollen spielen deren Rasse, Befinden oder generell Minderheit sie nicht angehören, Worte zu verbieten, Verhalten aufzurechenen – das ist Flucht aus der Kultur im verzweifelten Bestreben, alles richtig zu machen. Diese verzweifelte Haltung ist nicht attraktiv und alles andere als innovativ. Die Frage ist, wie sieht eine Antwort darauf aus? Die Antwort ist: es gibt keine richtige Antwort, sondern nur die Frage, was wir eigentlich wollen und was das mit all den vielen anderen zu tun hat, die auch da sind. Dann kommen wir vielleicht wieder zurück zur Demokratie, einer großartigen Kulturschöpfung in der es auch immer mal wieder rau zugehen sollte.

Redakteur

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06. September 2020, 15:03

Psycho App

Ein Smartphone kennt das Verhalten seiner Nutzer besser als die selbst - und ist daher für die Psychotherapeutische Beurteilung besser geeignet als diese. Das haben findige Forscher aus der Ecke Medizin trifft Digital schnell herausgefunden und mit unendlich vielen Studien belegt. Es weiss wann sie aufstehen, wann sie schlafen, was sie bestellen, wo sie sich herumtreiben, mit wem sie kommunizieren, welche Suchbegriffe sie eingeben und vieles mehr. Wie nahe liegt dann eine Therapie App, die die Nutzer warnt: pass auf, morgen bekommst du eine Depression, geh lieber mal zum Arzt oder nehme besser gleich ein Antidepressivum. Oder: morgen bekommst du gefährliche Triebe und Gelüste, nimm ein Mittel dagegen oder sperr dich ein.
Das ist echt gefährlich. Kennt das Smartphone die Nutzer wirklich? Kann es einschätzen, welches Ziel für diese Person das Richtige ist? Woran orientiert sich sein Bild von richtig und falsch? Losgelassen auf die Menschen birgt sie unendliches Konfliktpotenzial: auf einmal haben wir ein Messinstrument, wer um uns herum alles verrückt ist.
So eine App ist eine Droge. Sie könnte hilfreich sein für jemanden, der selbst weiß, dass er sich gerne belügt und der gleichzeitig bereit ist, sich behandeln zu lassen. Als Kontrollinstrument, unter Aufsicht von echten Psychiatern. Und ganz bestimmt nur auf Rezept. Ob sich aber dann das Modell rechnet? Ich habe meine Zweifel.

Redakteur

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22. August 2020, 21:34

Gut gemeint - Reifendruckanzeige

Mal wieder was simples, scheinbar zumindest. Die Reifendruckanzeige als Auto-Feature hat es nämlich in sich und ist ein Beispiel für die fatalen Folgen einer zunächst scheinbar guten Idee. Zunächst die technische Sicht: am Reifen ist Sensorik schwer umsetzbar. Da das Rad vom Fahrzeug eigentlich getrennt ist und seine Befestigung und sein Austausch bestimmten Standards unterliegen kann man da nicht beliebig Verbindungen erzeugen. Es wird daher ein Umweg genutzt, der nicht den Reifendruck sondern den Umfang des Reifes bei Fahrt misst, und zwar anhand der Umdrehungen, und dann die Umdrehungen der Räder vergleicht und daraus auf Unterschiede beim Druck zurückschließt. Die Ergebnisse sind daher relativ ungefähr.
Nun wird durch den Sensor andererseits das Sicherheitsgefühl erzeugt, das Auto kenne seinen Reifendruck und damit auch eine Verantwortung des Herstellers für die Gefahrenabwehr - und da kommt das Thema Risiko ins Spiel: durch die Verantwortung übernimmt der Hersteller ein Risiko, das er möglichst klein halten will und daher auch sehr kleine Abweichungen anmahnt.
Nun ist es aber so, dass Autos oft in der Sonne stehen und dann die Räder auf einer Seite erhitzt werden, auf der anderen aber nicht. Die so entstehenden Druckunterschiede führen zu einer sehr häufigen Alarmierung mit zwei fatalen Folgen: die Fahrer stumpfen ab, da sie dauernd Druck prüfen sollen und die Abweichungen meist kleiner sind, als sie es mit dem Druckluftgerät überhaupt regeln könnten und die Tankstellen schaffen die Druckluftgeräte ab, da sie von Fahrzeugen überrollt werden, die nur zum Druckmessen kommen und kein Geld dalassen. Die Folge ist, dass zwar ständig vor Reifendruckabweichung gewarnt wird, es aber nie geprüft und behoben wird, aber der Fahrer ist verantwortlich und nicht der Hersteller, er hat ja gewarnt.
Das Problem ist im Grundsatz immer wieder das gleiche: eine vage eigenverantwortliche Einschätzung (Druck passt schon) wird durch eine Automatisierung ersetzt, mit der Verantwortung und Risiko verlagert werden und damit auch die Alarmschwelle. Mit den beschriebenen Folgen für das Verhalten der Beteiligten. Man könnte es lösen, indem man die Anzeige präziser macht (1% Abweichung im Reifendruck …) was aber dann für die Nutzer gleich viel komplexer wird und indem man den Service an den Tankstellen ändert und z.B. kostenpflichtig macht. Beides sind Aspekte die den Anwender verschrecken, der einfache Lösungen erwartet.
Innovation ist ganz schön kompliziert, auch wenn sie so einfach und sinnvoll erscheint.

Redakteur

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09. August 2020, 21:09

Wild

Als ich ein Kind war, haben wir Kühe vor uns hergetrieben und sind auf ihnen geritten. Sowohl die Kühe als auch wir wussten, dass wir, die Menschen, die Chefs sind.
Wir sind durch die Landschaft gezogen als die Herren und Flora und Fauna mussten sich unterwerfen.
Heute wollte ich auf einen Berg. Ich hatte eine 20 Jahre alte Wanderkarte und eigentlich war alles klar. Doch es kann anders. Zunächst war da die Kuhherde, mit Kühen, Kälbern und einem großen Stier. Und es war nicht mehr klar, wer hier der Chef ist. Vorsichtig drückten wir uns in einem großen Bogen um die Herde herum. Wenig später war der Weg weg. Laut Karte waren wir richtig, doch von weg keine Spur. Wir suchten herum, stiegen steile Hänge hinauf und herunter, irgendwann gaben wir auf. Offenbar war der Weg verwildert, zugewachsen, verschwunden. An einer sehr reizenden Stelle packten wir unsere Brotzeit aus, aßen Brote, Eier und den Apfel, die Schokolade war geschmolzen. Vorsichtig drückten wir uns wieder ab der Kuhherde vorbei und stiegen ab.
Am Gipfel waren wir nicht, schön war es trotzdem. Vor allem das Gefühl, zu erfahren, dass die Welt um uns herum ihre eigenen Wege geht, sich uns nicht unterwirft, das machte es umso lebendiger.

Redakteur

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